Artenschutzprojekt „Wiedehopf in der Südsteiermark“

Bevor die Land- und Forstwirtschaft in Mitteleuropa mechanisiert und industrialisiert wurden, fand der wunderschöne Vogel mit seinem rostbraunen Vorderkörper und der schwarz-weißen Querbänderung an Schwingen und Schwanz noch optimale Bedingungen vor. Die Umstrukturierungen der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten setzten ihm aber gewaltig zu: ausgeräumte und zerschnittene Landschaften, flächiges Verschwinden von Hochstamm-Obstgärten, Extensivweiden und die Entfernung markanter Einzelbäume führten zu drastischem Rückgang seines Lebensraums. Massive Pestizideinsätze lassen seine Lieblingsnahrung, die Larven von Mai- und Junikäfern, verschwinden und infolge von Überdüngung ist der Pflanzenbewuchs so üppig und dicht, dass die Beute für den Wiedehopf unerreichbar ist.

Dies alles führte dazu, dass der heimische Gesamtbestand leider nur mehr auf 400-600 Brutpaare in Österreich geschätzt wird. Umso glücklicher kann man sich schätzen, wenn man den auffälligen Vogel mit seinem flatterhaft-schmetterlingsartigen Flugbild und seiner Federhaube am Kopf zu Gesicht bekommt. Je nach Witterung kehrt der Zugvogel Ende März, Anfang April aus dem Süden zurück in sein Brutgebiet, wo er sich ein Weibchen sucht, dem er während der Brutsaison treu bleibt. Finden die beiden keine passende Bruthöhle in einem Obstbaum oder einer Kopfweide, suchen sie sich alte Mauern, Stein- oder Asthaufen, Hohlräume an Gebäuden, ausgediente Fässer und Ofenrohre oder einen geräumigen Nistkasten. Der größte Konkurrent um den Brutplatz in der Südsteiermark ist der Star. Deswegen bezieht der Wiedehopf gerne niedrig gelegene Bruthöhlen (oft nur einen halben Meter vom Boden entfernt).

Das Weibchen legt 5-8 Eier und bebrütet diese ohne Unterbrechung ca. 15 bis 18 Tage lang. Sie verlässt das Nest nur zur Gefiederpflege und Kotabgabe, während das Männchen sie geduldig füttert und die Umgebung des Nistplatzes verteidigt. Hin und wieder gönnt sie sich ein Staubbad am nahe gelegenen Feldweg, um sich von Parasiten zu befreien. Wenn die ersten Jungvögel geschlüpft sind, ist das Männchen gefordert: durchschnittlich 5-8 Mal pro Stunde muss es Beutetiere herantragen. Erst ca. 10 Tage später kann ihm das Weibchen dabei helfen. Die kleinen Wiedehopfe bleiben etwa 25 Tage lang im Nest, bevor sie erste Flugversuche wagen und die unmittelbare Umgebung inspizieren. Im August machen sich Alt- und Jungtiere auf und ziehen in ihr Winterquartier in den Süden.

Wenn Sie dem Wiedehopf etwas Gutes tun wollen, dann lassen Sie alte Obstbäume mit Bruthöhlen in Ihren Gärten stehen oder Sie bauen ihm einen Nistkasten (die Bauanleitung schicke ich Ihnen gerne zu). Verzichten Sie auf die chemische Bekämpfung von Mai- und Junikäfern: auch andere bedrohte Tierarten wie der Ziegenmelker oder die Große Hufeisennase werden es Ihnen danken. Naturnahe Feldwege sollten unversiegelt bleiben, dann findet der Wiedehopf auch an Regentagen ausreichend Nahrung. Um mehr über die vorherrschende Population des Wiedehopf zu erfahren, darf wir Sie bitten, Sichtungen aus der West-, Süd- und Oststeiermark mit genauer Orts- und Zeitangabe an Andrea Bund zu melden: Andrea Bund, Telefon 0676 866 43 653, Mail: andrea.bund@stmk.gv.at. Vielen Dank!