Steckbrief- Springschwänze (Collembola)

Früher wurden die Springschwänze zu den Urinsekten gezählt, da sie noch keine Flügel besitzen und sich über zahlreiche Jugendstadien – ohne äußerliche Veränderung (bsp. im Gegensatz zum Schmetterling) – zum erwachsenen Tier (Imago) entwickelt. Neuerdings werden sie zu den Sechsfüßern gezählt. Die Körperlänge der meisten Arten beträgt 1-2 mm, in Ausnahmefällen fast 10 mm. Der Kopf trägt viergliedrige Antennen und anstatt von Facettenaugen finden sich Gruppen von bis zu acht Punktaugen an jeder Kopfseite. Die Mundwerkzeuge sind verborgen und werden für die Nahrungsaufnahme hervorgestreckt. An der Unterseite des Hinterleibs setzt eine zweispitzige Sprunggabel an, die in Ruhelage nach vorn eingeklappt ist und durch ein Häkchen festgehalten wird. Mit diesem namensgebenden Sprungmechanismus können die Tiere Sprünge von mehreren Zentimetern ausführen.
In Österreich wurden über 400 Arten dieser boden(be)lebenden Tierart nachgewiesen. Sie leben am und im Boden, meist bis in zehn Zentimeter Tiefe, aber auch beispielsweise auf Gletschern, Baumrinde und auf der Wasseroberfläche (sie besitzen eine wasserabweisende Haut, wodurch sie in einer Luftblase überleben). Die meisten Arten der Springschwänze ernähren sich von zerfallenden pflanzlichen Stoffen, Exkrementen oder Aas. Es gibt neben diesen ‚Allesfressern‘ aber auch Spezialisten, die nur Algen, Pilze und Pollen fressen oder Mikroorganismen abweiden. Durch den Abbau ihrer Nahrung sind sie wesentlich an der Bildung von Humus beteiligt (in den obersten 30 cm von 1m² Boden leben bis zu 400.000 Individuen). Sie beseitigen dabei organische Rückstände und fördern so die Bodenfruchtbarkeit und damit das Wachstum von Pflanzen. Da sie die Reste von Pflanzen in natürlichen Dünger verwandeln, sind sie der Landwirtschaft von erheblichem Nutzen. Nur wenige Arten, wie z. B. der Luzernefloh, gelten als Schädlinge.

Springschwanz-Feuerwehreinsatz
Im Jahr 1996 entdeckten Spaziergänger in Silz (Tirol) auf einer nur teilweise asphaltierten Bundesstraße, merkwürdige rotbraune Flecken. Da man zunächst eine bedenkliche Chemikalienablagerung vermutete, rückte die freiwillige Feuerwehr mit fünfzehn Mann und fünf Fahrzeugen aus, während zwei Beamte des Gendarmeriepostens die Ermittlungen durchführten. Das detailreiche Protokoll enthielt Passagen wie „Auf dem asphaltierten Teil sind 3 rot-bräunliche Flecken im Ausmaß von je ca. 1 m2 mit scharfrandigen Kanten und einer Höhe von bis zu ca. 3 cm. Auf dem Schotterweg sind die pelzigen Muster wellenförmig und erreichen eine Länge von bis zu ca. 8 m und eine Breite von bis zu ca. 1 m. Die Substanz ist geruchlos und erweckt den Eindruck als ob sie weiterwandern könnte. Insgesamt konnten ca. 20 dieser Erscheinungen festgestellt werden. Da es vorerst unmöglich war, eine allfällige Gefahr auszuschließen, wurde vom Kommandanten die höchste Schutzstufe angeordnet.“

Schwarzer Schnee
Alljährlich zwischen Hochwinter und Schneeschmelze kommt es zu lokalen Massenansammlungen dunkel pigmentierter Springschwänze, die das von allerlei Aberglauben umrankte Phänomen des schwarzen Schnees hervorrufen können. Diese ein bis zwei Millimeter langen „Schneeflöhe“ halten sich trotz ihres mehrdeutigen deutschen Namens — auch die viel selteneren Schnabelfliegen der Gattung Boreus werden als Schneeflöhe bezeichnet — ebenfalls die meiste Zeit in der obersten Bodenschicht und in der Laubstreu auf und versammeln sich nur bei passendem Wetter auf der Schneeoberfläche. Aus ihrer Hauptnahrung, sog. coccale Algen, gewinnen sie hochmolekulare „Antigefrier“-Proteine, die ihre Unterkühlungsfähigkeit und somit ihren Gefrierschutz verbessern. Diese glycinreichen Proteine binden neu formierende Eiskristalle an sich und verzögern so die Bildung eines Eisglumerates, damit wird das Überleben bei eisigen Temperaturen erst möglich gemacht. Der häufigste Verursacher von schwarzem Schnee ist in Österreich Hypogastrura socialis, die einzige Springschwanzart, die regelmäßig, wenngleich meist anonym, in den Massenmedien erscheint. So wurde vor einigen Jahren in einem Fernsehbericht über die Bekämpfung dieser harmlosen Tierchen mittels Dampfstrahlreiniger berichtet. Diese Massenwanderungen finden meist an frostfreien Tagen ab Ende Januar statt, wenn sich unzählige Tiere in Vertiefungen im Schnee sammeln, 1000 bis 10.000 Tiere pro m² sind keine Seltenheit. In Teilen ihres Verbreitungsgebietes, Die Wanderungen dienen vermutlich dem Auffinden neuer Lebensräume, denn über größere Distanzen ist für diese Kleinlebewesen die gleichermaßen glatte wie feuchte Schneeoberfläche weit besser geeignet als jeder Waldboden. Hindernisse können leichter überwunden und schneefreie Habitate rasch erreicht werden, in denen die Fortpflanzung frühzeitig begonnen werden kann.

Literaturquellen:
• BELLMANN, H. (2009): Der Neue Kosmos Insekten‐Führer. 2. Auflage. Stuttgart: Franckh Kosmos Verlag. 448 pp.
• ERHARD, C. & MEYER, E. (1997): Ein spektakuläres Massenauftreten von Springschwänzenin Tirol, Österreich. IN: Berichte des naturwissenschaftlichen-medizinischen Verein Innsbruck, Band 84. Innsbruck, S.315-320
• wikipedia.org
• oe1.orf.at (Vom Leben der Natur)

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